Die Würde des Terroristen ist unantastbar?

Die Nachricht von der Liquidierung Bin Ladens durch US-Soldaten hat in den USA zu spontanen Jubelfeiern vor dem Weißen Haus geführt. Ich hoffe ich bin nicht der Einzige, dem es angesichts solcher Bilder die Zehennägel aufrollt. Unabhängig davon wie viel Blut an den Händen eines Menschen klebt ist es widerlich sich über dessen Tod zu freuen. Genugtuung über den Tod eines anderen zu empfinden lässt sich ethisch nicht rechtfertigen – egal woher man seine ethischen Maßstäbe bezieht. Es wäre eher an der Zeit gewesen den Opfern des Terrors, sowie den zivilen Gefallenen des “Kampfs gegen den Terror” – zynisch auch als Kollateralschaden bezeichnet – zu gedenken.

Was nun?

Michael Moore, berühmt geworden durch den Film “Bowling for Columbine” und sein Buch “Stupid White Men”, twitterte hierzu sehr treffend:

He may be dead, but in a way, he won. We gave up our rights. [...]We spent trillions on needless wars. Fear now rules us. (@MMFlint)

Der Auftrag der Special Forces, die Osama zur Strecke gebracht haben, lautete laut einem Bericht von Reuters “to kill not to capture Bin Laden.” Man hat also nicht einmal versucht ihn lebend zu fangen und ihm den Prozess zu machen. Damit gibt die größte westliche Demokratie aber ihre Überzeugungen endgültig auf. Bisher war es zumindest offiziell ein Konsens, dass man sich an Völkerrecht und Menschenrechte zu halten hat. Mit diesem Schritt stellt die USA sich jedoch auf eine Stufe mit dem Getöteten. Sie will keine Gerechtigkeit, sondern sie übt Vergeltung um jeden Preis!

Wie sich diese Militäraktionen auswirken wird ist nicht abzusehen. Es darf aber als sicher gelten, dass mit dem Tod Bin Ladens die abartige Ideologie Al Qaidas eher Rückenwind bekommen wird, als einen Rückschlag zu erhalten. Mit objektiven Maßstäben kann ich das den Leuten in der Region auch nicht verdenken. Die Bilder “der Amerikaner” beim Bejubeln des Todes dürften die selbe Wirkung entfalten, wie wenn bei uns nach einem Anschlag Bilder aus “den muslimischen Ländern” von jubelnden Menschenmassen die Nachrichtensendungen durchziehen.

Was bleibt?

Der Westen hat verloren! Bereits in den letzten Jahren hat er seine Freiheit Stück für Stück immer weiter für ein Bündel an Anti-Terror Gesetzen aufgegeben, um sich eine gefühlte Sicherheit zu erkaufen. Mit dem heutigen Tage hat er zusätzlich sowohl seine Überzeugungen und Werte, als auch seine Sicherheit über Bord geworfen, um einen lediglich symbolischen Triumph zu erringen…

Update: Mir fiel grad auf, dass meine letzter Absatz ziemlich genau den berühmten Ausspruch von Benjamin Franklin trifft:

“Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.”

Ich freue mich immer über euere Kommentare und Feedback hier im Blog oder via Twitter: @fagri

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9 comments on “Die Würde des Terroristen ist unantastbar?

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  2. rivoid on said:

    Ich bin voll und ganz deiner Meinung. Auch der größte Massenmörder gehört vor Gericht gestellt und nicht vor ein Exekutionskommando.
    Ich bezweifle ob sich die US-Regierung mit diesem Vorgehen langfristig einen Gefallen getan hat. Das die Leiche so schnell “im Meer versenkt” wurde, wird Wasser auf die Mühlen der 9/11 – Verschwörungstheoretiker sein.

    Das viele Amerikaner nun jubeln kann ich durchaus nachvollziehen, wenn man sich vor Augen hält wie viel Leid 9/11 gebracht hat. Auch wenn es auf mich befremdlich wirkt, den Tod eines Menschen zu feiern.

    • fagri on said:

      Dass sich einige Amerikaner freuen, dass er weg ist – egal wie – kann ich ebenso durchaus nachvollziehen. Das was ich hingegen nicht verstehen kann sind Jubelfeiern in Ausmaßen, die eher an Sportveranstaltungen erinnern. Wobei es sein kann, dass dabei auch die andere amerikanische Mentalität eine Rolle spielt.

    • Wenn man sich vor Augen hält wie viel Leid die Amerikaner der gesamten arabischen Welt zugefügt haben kommt einem 9/11 eher wie ein Witz vor und die Ideologie der Amerikaner offenbart sich einem als “abartig”.
      An den Händen der Amerikaner klebt Blut, verantwortlich dafür sind ihre Volksvertreter. Das sind die wahren Verbrecher und die gehören vor Gericht gestellt. Nicht etwa ein Osama Bin-Laden. Die wirklich Attentäter von 9/11 sind sowieso längst über den Jordan gegangen, die kann man nicht mehr bestrafen.

      Ich bitte also um eine kritischere Betrachtung der USA und auch der Islamisten.

  3. Super! Vielen Dank. Man hätte es nicht besser sagen können!
    Dass Al-Quaida noch ein Quantum terroristischer ist, als Staaten, sehe ich ein. Aber wie ausschweifend (ja sogar ausschweifender als zum aktuellen Ereignis) Obama in seiner Ansprache die Opfer-Rechtfertigungstrommel rührt und mit Worten alte Schmerzen hervorholt, das ist wirklich abscheulich und sollte jedem auffallen. Umso eher drängt sich durch diese scheinbar notwendig gewesene Rechtfertigung die Frage auf, wer mehr Opfer auf dem Gewissen hat. Osama einmalig 3000 oder die USA mit einer Unbekannten in Guantanamo und bei “Operationen” und der anschließenden Hinrichtung von Hochverrätern wie Bradley Manning.

    • “Osama EINMALIG 3000″ ???
      ganz sicher? waren bestimmt nur 3,4,5 leute, die gezwungen wurden, sich den Taliban anzuschließen. (Bei Weigerung Erschießung)..
      obwohl, könnten auch 6 gewesen sein..

  4. Moritz on said:

    Warum hat der Westen denn verloren? Das is doch genau was die Regierung will, verschärfte Kontrolle und Überwachung des Volkes. Keiner wehrt sich dagegen, es ist ja zum eigenen Schutz. Ein verängstigtes Volk lässt sich nun mal leichter steuern.

    Und wer sagt, das die net einfach nen Deal ausgemacht haben und der nun auf irgendeiner Insel Cocktails schlürft auf Staatskosten?

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  6. Roland on said:

    die art und weise, wie die toetung in der presse dargestellt wurde ist peinlich und beschaemend. aber generell finde ich es absolut korrekt, eine bestie wie bin laden schlicht und einfach zu exekutieren. dies als niederlage der westens oder westlicher ideologie darzustellen geht meiner meinung nach zu weit…

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